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Ey, Wacken, du alter, weichgespülter Knacker 03.08.2017 - 17:39

Das Festival in Wacken galt lange als Paradies für Leute, die ihr Zelt gern im Schlamm aufbauen. Doch auch Metaller werden alt. Viele betten sich heute gern weich und teuer und schlafen süß mit Ohropax.

Im „Beer Garden“ auf dem Wackener Festivalgelände finden sich dank stets ausgeprägter Bierlaune schnell neue Freunde. Wenn man einmal einen Platz in dem Getümmel ergattert hat, gerät man sofort ins Quatschen. Irgendwann aber kommt meist die kritische Frage: „Auf welchem Platz steht euer Zelt?“ Die Antwort darauf ist nicht leicht. Unser Zelt ist ein 7,50 Meter langes Wohnmobil mit Küche, Dusche und WC. Unser Platz die Camping-Area R. Besser wäre eigentlich die Bezeichnung L für Luxus. Oder W. Für Weichei.

 

Denn wer die Festivaltage in einem Wohnmobil auf einer abgesteckten Parzelle mit Stromanschluss verbringt, gilt in Wacken nicht gerade als cool. Dabei werden diejenigen, die nicht mehr vier Tage lang unter einer dünnen Zeltplane die täglichen Regenpeitschen von der Nordsee ertragen möchten, immer mehr.

Wacken wird älter – eigentlich ist das zwangsläufig. Das größte Heavy-Metal-Festival der Welt mit mittlerweile mehr als 75.000 Besuchern findet in diesem Jahr zum 28. Mal statt. Fast drei Jahrzehnte lang Metal pur, die besten Bands der Welt haben hier schon gespielt. Aber auch die werden älter. Als im vergangenen Jahr mitten in der Nacht die Glamour-Metal-Opas von Twisted Sister („We’re Not Gonna Take It“, 1984) mit nacktem Oberkörper aufliefen, war Fremdschämen angesagt.

Auch in diesem Jahr sind wieder einige Stars aus dem Antiquitätenhandel am Start. Der zerknitterte Alice Cooper zum Beispiel, fast 70 Jahre alt. Oder Status Quo, die Briten haben das 50. Bühnenjubiläum längst hinter sich. Völlig unmetallisch und steinalt auch Bob Geldof und seine Boomtown Rats. Die durften zwar am schlechter besuchten Pre-opening-Mittwoch nur auf einer Nebenbühne ran, den Altersdurchschnitt trieben sie trotzdem weiter nach oben.

Wir werden alt, die Bands ebenfalls

Selbst die wichtigsten Headliner des Festivals sind keine Anfänger mehr: Kreator, von den Fans zu Recht als deutsche Thrash-Metal-Legende gefeiert, stehen seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne. Oder Megadeth aus den USA: Dave Mustaine gründete die Band nach seinem Rausschmiss bei Metallica im Jahre 1983.

Der Heavy Metal hat ein Nachwuchsproblem. Nur wenige neue Bands können sich durchsetzen. Powerwolf gehören dazu. In Wacken feiern sie ihre „Heilige Heavy-Metal-Messe“ mit Zehntausenden. Doch als die Band aus Saarbrücken Anfang des Jahres durch Deutschland tourte, kamen gerade mal 1500 Metal-Jünger in das Berliner Huxley’s.

Die Nachwuchsband Beyond The Black, deren Gründungsmitglieder von der Popakademie Baden-Württemberg stammen und die von Metal-Fans häufig als Castingband beschimpft wird, touren entweder als Vorgruppe oder auch mal in kleinen Clubs vor 500 Zuschauern. Selbst die ganz großen Stars wie die Wikinger von Amon Amarth aus Schweden spielen maximal in mittelgroßen Hallen.

Umso wichtiger sind die treuen Fans in Wacken. Die lange Haare sind noch immer häufig, wenn auch weniger dicht. Einige wenige haben alle Festivals live erlebt, sie werden in der 18.000 Mitglieder starken Facebook-Gruppe Wacken Open Air wie Helden gefeiert. Dass sie nicht mehr unbedingt im Zelt schlafen, darüber sieht man schon eher hinweg. Wer sich 27 Mal die volle Wacken-Dröhnung gibt, der darf schon kurz vorm Rentenalter beim 28. Festival auf den Luxus-Campingplatz R umziehen.

Eine Drainage für die Kuhweide

Der Wandel beschäftigt die Organisatoren: Weil immer mehr Menschen mit Wohnmobil, Wohnwagen oder anderen mobilen Campingfahrzeugen anreisen, müssen die zu Campingflächen umfunktionierten Kuhweiden zunehmend aufwendig befestigt werden. Damit niemand der älteren Herrschaften im Schlamm stecken bleibt, wurde zudem das Infield, das Gelände vor den Hauptbühnen, im Frühjahr neu planiert und mit einem unterirdischen Entwässerungssystem ausgestattet. So soll das Regenwasser künftig keinen der berühmt-berüchtigten Schlammseen mehr erzeugen, sondern wird einfach in den Nord-Ostee-Kanal gespült. Hightech, versteckt unter der Grasnarbe des wilden Wacken.

Bei den hartgesottenen Metallern stoßen nicht all diese Maßnahmen auf Gegenliebe. Zumal die Neuverlegung der Drainage sowie die zusätzlich installierten Duschzelte als Begründung für eine happige Preiserhöhung dienten. Die älteren Wackinger hingegen lobten die Maßnahmen. Es sei wild genug, im Infield vor einer der großen Bühnen zu headbangen.

Sind wir mal ehrlich: In Wahrheit ist es ja auch keine Schande, wenn man die völlig verdreckten Füße in der Wohnmobildusche am nächsten Morgen wieder reinigen kann. Selbst die Ernährungsgewohnheiten verändern sich: Gab es früher kiloweise Thüringer und Steaks, liegen heute auch vegane Seitan-Bratlinge auf dem Wacken-Grill. In Anlehnung an den Kreator-Hit „Satan Is Real“ könnte man auch von „Seitan Is Real“ sprechen.

Und abends den Dreck von den Füßen waschen

Postet man ein Foto vom mobilen Wacken-Home, gibt es von den Daheimgebliebenen häufig bissige Kommentare. „Ist das noch Wacken?“ Oder: „Wann zeltet ihr wieder – wie echte Metaller?“ Man möchte den Kommentatoren zurufen: Kommt doch selbst erst mal her! Ich habe schon mit 16 das Roskilde-Festival im Minizelt überlebt! Geht ihr doch mal nach drei Festivaltagen auf eines der weit über 1000 prall gefüllten Dixi-Klos oder putzt euch an der Wasserrinne im Schlamm stehend die Zähne!

Nein, Wacken ist auch Wacken, wenn man nicht absäuft oder mitten in der Nacht ein Volltrunkener über die Spannleinen stolpert und das Zelt einreißt. Allerdings: Wacken im feinen Wohnmobil ist kein Schnäppchen. Rund 1000 Euro kostet ein Mietmobil für eine knappe Woche, hinzu kommen rund 100 Euro Campinggebühr, sowie 230 Euro für das Ticket – und der Posten „Getränke“.

Bei Bierpreisen von vier Euro für ein 0,4-Liter Pils ein über die gesamte Festivalzeit gerechnet ebenfalls dreistelliger Betrag. Dem gegenüber stehen eine voll ausgestattete Küche, ein gemütlicher Platz unter der Markise und ein Bett, in dem nach einem harten Festivaltag warme und saubere HSV-Bettwäsche wartet.

Wacken wird älter – ein weiteres Indiz ist das „Moshtel“ (Fotos auf camperservice-Wacken.de). Ein Containerhotel mit schnellem Zugang zu den Bühnen auf dem Festivalgelände. „Ein Festivalerlebnis mit Hotelcharakter“, verspricht der Anbieter – und ruft dafür satte Preise auf. 1249 Euro für zwei Personen im Doppelcontainer. Für vier Nächte – das knapp 70 Kilometer entfernte „Vierjahreszeiten“ an der Hamburger Binnenalster ist zum gleichen Zeitpunkt deutlich günstiger.

Wackens Hotel – teurer als ein Luxushotel

Das „Moshtel“ bietet allerdings erheblich weniger: In den Wohncontainern stehen jeweils zwei Betten, zwei Stühle, ein Tisch – und zwei Steckdosen sind installiert. Auf ein eigenes WC müssen die „Moshtel“-Bewohner verzichten, dafür werden die sanitären Einrichtungen „während der Festivalzeit absolut sauber gehalten“, heißt es auf der Website. Als wäre das eine Luxus-Dienstleistung. Wir brauchen nicht darüber zu reden – das „Moshtel“ war trotz des zweifelhaften Preis-Leistungs-Verhältnisses lange vor Festivalbeginn ausverkauft.

Wird Wacken langsam zu alt – und vor allem zu weich? Wasser auf die Mühlen der harten und zeltenden Wackinger ist ein Vorfall aus der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Wie in Wacken üblich, gibt es auf sämtlichen Campingplätzen eine Vollbeschallung durch mitgebrachte Musikanlagen, natürlich pausenlos und die gesamte Nacht hindurch.

Einem Besucher wurde es zu laut – er rief die Polizei. Eine Anzeige wegen Lärmbelästigung nahmen die Beamten aber nicht auf. Sie empfahlen dem Mann Ohrenstöpsel. Das Gespött der anderen Festivalbesucher ist dem lärmempfindlichen Kerl sicher – auch auf dem Platz R, dem Areal der Luxuscamper, will man mit so einem Weichei nichts zu tun haben.

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 Zwigge
 20.10.2017 - 17:32
Schönen Freitag wünsche ich euch ihr lieben

 Keksi
 06.10.2017 - 18:34
Schönes Wochenende wünsch ich Euch Keksi is back

 NickHunter
 03.10.2017 - 20:49
Einen schönen rest vom 3 oktober wünsche ich euch allen

 DJ Gerry
 02.10.2017 - 22:53
Das Team von Master of Radio wünscht allen einen schönen Tag der deutschen Einheit :ok::zwinker:

 Zwigge
 20.08.2017 - 12:26
Das ist ja toll - der Auto DJ spricht. Habe ja immer gewusst, das es sich lohnt außer der Zeit reinzuhören. Freu Freu Freu

 Zwigge
 12.08.2017 - 18:28
schön hier zu sein

 Zwigge
 11.08.2017 - 17:51
Schönen Tag an alle

 NickHunter
 23.07.2017 - 19:15
Einen wunderschönen Sonntag abend wünsche ich allen

 Drago
 22.07.2017 - 23:07
Guten Abend.

 bollyamina
 20.07.2017 - 00:29
hallo schön das ich da bin ,,, alle eine lieben gruss

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